v.l.n.r.: P. Diel, G. Pusch, Dr. T. Machalet

    Beispielhaftes Wohnprojekt für Senioren im Westerwald

    Ein Lebensende im Heim - das ist oft verbunden mit Angst vor Einsamkeit und dem "Nicht-mehr-gebraucht-werden". Wie die Landtagsabgeordnete Dr. Tanja Machalet bei ihrem Besuch der Senioren-WG im landwirtschaftlichen Betrieb von Guido Pusch in Marienrachdorf erfahren konnte, geht es auch ganz anders:

    Hier wird jede helfende Hand der Bewohner gebraucht, sei es bei der Tierpflege oder der gemeinsamen Essenszubereitung. Die Teilhabe am Hofleben, unterstützt vom hauseigenen Pflegedienst, soll den Senioren ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln, denn ein Leben auf dem Bauernhof und den Umgang mit Tieren – das kennen einige der Bewohner von Kindheit an und daran erinnern Sie sich auch oder gerade bei Demenz zurück. Der Kontakt zu den Tieren und die Übernahme von kleinen Aufgaben ersetzt zum Teil den Einsatz von Medikamenten - gerade Senioren mit Fluchttendenz lassen sich auch schon mal damit beruhigen, dass man mit ihnen z.B. nach den Hühnern schauen geht. "Der Gedanke des "Wegwollens" legt sich bei den Tieren im Stall oft ganz von allein", so Pflegedienstleiter Philip Diel.

    "Mit unserem Betrieb können wir vielen Bereichen, die es gerade nicht leicht haben, eine Perspektive aufzeigen: Sowohl in der Landwirtschaft, als auch in der Pflege gibt es ein Nachfolgeproblem und hier werden neue Ideen gebraucht, um zukunftsfähig zu sein", so Pusch, der sich auch vorstellen könnte, ähnliche Höfe untereinander zu vernetzen und den SeniorInnen durch eine Art Austausch einen Tapetenwechsel zu ermöglichen.

    Es ist ihm daran Gelegen, dass dieses Modell, das gerade in letzter Zeit für Aufsehen in der Medienlandschaft gesorgt hat, als Beispiel für viele weitere ähnliche Betriebe dient. Nicht nur die Senioren profitieren von dem etwas außergewöhnlicheren Konzept: Anders als im Bereich der Pflege andernorts hat der Pflegedienst des Seniorenhofs keinerlei Probleme, geeignetes Pflegepersonal zu finden. "Es gehen ständig neue Bewerbungen ein", erklärt Pusch. Auch Pfelegedienstleiter Philip Diel bestätigt, dass die Arbeit auf dem Hof der zwischenmenschlichen Beziehung den Raum gibt, den sich viele, die sich für eine Ausbildung in der Altenpflege entschieden haben, wünschen würden.

    "Ein wirklich beispielhaftes Modell, das auf eine positive Entwicklung in der Altenpflege hoffen lässt. Viele Einrichtungen können von Guido Puschs Idee für die eigene Arbeit mit Senioren profitieren und ich werde versuchen, hier den Kontakt aufzubauen, damit auch weitere Konzepte erarbeitet werden können, die die Pflege bereichern können", so Machalet .